
3.1 Klassenstärke, Unterrichtszeiten und Pausenregelungen
Der Klassenlehrer betreut und unterrichtet die Kinder in der Regel von der ersten bis zur achten Klasse - eine konstante Bezugsperson, die Vorgeschichte, Entwicklung und häusliche Verhältnisse genau kennt. Er unterrichtet möglichst viele Fächer selbst. In den ersten beiden Unterrichtsstunden an jedem Morgen – Schulbeginn ist 08.15 Uhr – erteilt der Klassenlehrer den Hauptunterricht. Die Beschäftigung mit Schulfächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Formenzeichnen oder Geografie, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie in zusammenhängenden Epochen - drei oder vier Wochen lang – führt zu einer tiefen Verbindung mit dem Stoff.
Merkmal pädagogischer Besonderheiten von Waldorfschulen ist der Epochenunterricht (Blockunterricht). In den ersten zwei Stunden am Morgen erteilt der Klassenlehrer den Hauptunterricht in Epochen von mehreren Wochen pro Fach.
Die Unterrichtsepochen der ersten Klasse sind lang und noch wenig differenziert. Formenzeichnen, Erzählungen aus Natur und Jahreszeiten, Umwelt und Heimat des Kindes, Rechnen, Schreiben, Lesen wechseln einander ab. Immer mehr differenzieren und spezialisieren sich dann die drei bis vier Wochen dauernden Hauptunterrichtsepochen in den Fächern Deutsch, Sachkunde, Heimatkunde, Erdkunde, Tierkunde, Menschenkunde, Pflanzenkunde, Gesteinskunde, Physik, Chemie, Geschichte, Rechnen, Geometrie usw.
Fachbezogene Inhalte aus den Epochen werden in regelmäßigen zusätzlichen wöchentlichen Übungsstunden aufgegriffen.
In einer guten Unterrichtsstunde des Hauptunterrichtes wird ein Waldorflehrer nicht alles bis zum Ende erklären, sondern darauf achten, wichtige Fragen offen zu lassen. Während des Schlafes der Nacht kann die Frage im Unterbewusstsein des Schülers geistig aufkeimen und am nächsten Tag mit einem ganz anderen Tiefgang von den Schülern behandelt werden.
Was die Nacht zwischen den Unterrichtstagen, das bedeutet die Pause zwischen den Epochen eines Faches. Das Erinnern und Wiederbegegnen des Untergesunkenen im klaren Bewusstsein bewirkt, dass sich aus Kenntnissen Fähigkeiten bilden können.
Diese Form der Arbeit bietet große Möglichkeiten das Interesse der Schüler zu konzentrieren, zu aktivieren und das Stoffgebiet zu geschlossenen, einprägsamen Bildern auszugestalten. Der Unterrichtsstoff wird so dauerhaft vermittelt. Einem kurzfristigen Aufnehmen und genau so rasch wieder Vergessen des Unterrichtsstoffes wird so entgegengewirkt.
Anstatt mit vorgefertigten Formen und Ideen zu arbeiten, ersetzen selbst gestaltete Epochenhefte weitgehend vorgegebene Lehrbücher. Ein trockenes Lesenlernen wird durch ein Herausarbeiten der Buchstaben aus künstlerisch gestalteten Buchstaben ersetzt und somit unter dem Motto „Lernen durch Tun“ das Schreiben vor dem Lesen gelernt. Durch ein intensiveres Einbinden von künstlerischen Übungen in den Unterricht soll der Unterrichtsinhalt den Schülern nicht nur auf kognitiver Ebene vermittelt werden.
Die Fachstunden Fremdsprachen, Handarbeit, Musik usw. schließen sich an.
Handwerkliches und künstlerisches Lernen unterstütztdie Entwicklung der Motorik und aktivieren Gefühls- und Willenskräfte, aus denen selbständiges Erkennen und verantwortliches Handeln erwachsen. Ungewöhnlich vielfältig und differenziert ist der künstlerisch – praktische Teil des Unterrichtes.
Je nach Lebensalter lernen die Schüler die Techniken des Strickens, Häkelns, Stickens, Nähens, Filzens, Flechtens, Spinnens, Webens, Malens, Zeichnens, Plastizierens, Schnitzens kennen. Sie erhalten in Theorie und Praxis Einblicke in das Tischlern, das Metall bearbeiten, Schmieden, Steinmetzen, Buchbinden, und bewirtschaften während des Gartenbauunterrichtes den Schulgarten.
Von der ersten Klasse an spielen die Kinder Theater, singen und musizieren auf unterschiedlichen Instrumenten
Ausführliche Textzeugnisse einmal im Jahr liefern ein differenziertes Bild über die Leistungen und die Entwicklung eines jeden Schülers. Auf die üblichen Zeugnisse wird verzichtet. Abschluss- und Abgangszeugnisse enthalten Noten nach allgemeinem Standart.
Klassengemeinschaften über die gesamte Schulzeit ermutigen die Schüler, ihre Persönlichkeit und Individualität selbständig zu entfalten.
An der Freien Waldorfschule Neuenrade werden mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 die Klassen 1-11 beschult. Mit dem Schuljahr 2009/2010 – und damit mit Einrichtung der Klasse 13 – ist der Aufbau der Freien Waldorfschule Neuenrade abgeschlossen.
In der Freien Waldorfschule Neuenrade wird in überschaubaren Klassen mit einer Klassenstärke von bis zu 27 Schüler unterrichtet.
Der Unterricht beginnt um 8.15 Uhr und endet in der Regel – je nach Klassenstufe – zwischen 11.45 und 15.10 Uhr.
Der Unterricht wird unterbrochen von den Pausen um 10.00, 11.45 und 13.25 Uhr.
Die Fächer Deutsch, Mathematik, die Gesellschaftswissenschaften, sowie die Naturwissenschaften werden jeweils in Epochen während des Hauptunterrichtes (zwischen 8.15 Uhr und 10.00 Uhr) erteilt. Die Fächer Englisch, Französisch, Musik, Kunst, darstellende Geometrie, Handarbeit, Werken, Gartenbau, Informatik, Eurythmie, Turnen und Religion werden während der Fachstunden fortlaufend unterrichtet. Weiterhin werden Übstunden (teilweise fachgebunden) und Verfügungsstunden (ab Klasse 9) erteilt.
In den Klassen 7 – 9 gibt es einen Wahlpflichtbereich, der neben Französisch (siehe Sprachenkonzept Punkt 5) weitere musische, kreative oder technische Fächer anbietet.
Ab Klasse 10 wird neben dem Fach Französisch der Fächerkanon Deutsch und Lebenskunde angeboten.