Schulprofil

4. Natur-Wald-Technik

4.1 Schafhaltungsprojekt der vierten Klasse

4.2 Segelprojekt


In einer zunehmend durch Technik bestimmten Welt, in der die Natur immer weiter zurückgedrängt wird, möchte die Freie Waldorfschule Neuenrade ihren Schülern vielfältige Naturerlebnisse bieten und damit ein breites Wissen über Natur und ihr Wirken auf den Menschen anlegen.

 

Viele Menschen heute erleben die Natur nicht mehr als Grundlage für alles menschliche Sein. Durch die Verfügbarkeit von Lebensmitteln zu jeder Zeit werden oft nicht einmal die Besonderheiten der einzelnen Jahreszeiten wahrgenommen. Viele Kinder wissen nicht woher unsere Lebensmittel stammen und wann sie Saison haben.

 

Die Waldorf-Pädagogik geht in vielfältiger Weise auf Naturerlebnisse ein. Dabei spielt die Gestaltung des Jahreszeiten-Tisches, das Singen von Liedern zur Jahreszeit oder die Ackerbau-Epoche, das Forst- und das Landwirtschaftspraktikum eine große Rolle.


Die Freie Waldorfschule Neuenrade möchte aber darüber hinaus in besonderer Weise die Natur zu einem wichtigen Partner ihrer Schüler machen.

 

Allein die Lage der Schule bietet viel Anreiz zum Spiel im Wald. In den ersten beiden Schuljahren wird der Sportunterricht als „Waldstunde“ gestaltet. Die Kinder verbringen diese Zeit in der Natur, suchen Tierspuren, beobachten jahreszeitliche Veränderungen, bauen sich „Zwergenwohnungen“  im Wald und erfahren so die Natur mit allen Sinnen.

 

Der Sportunterricht in den höheren Klassen wird durch naturnahe Angebote, wie z.B. Segeln (in Kl. 5), Sportfreizeit (in Kl. 6) und Klettern (in Planung) ergänzt. Weiter wird an der Schule ein Team-Parcours entstehen. Die Aufgaben dieses Parcours werden so gestaltet, dass sie nur gemeinschaftlich gelöst werden können. Dadurch wird auch die soziale Kompetenz gestärkt.

 

Durch das Anlegen und Pflegen eines Waldlehrpfades, in enger Zusammenarbeit mit einem Förster, werden Kenntnisse über den Wald erworben. Zugleich wird damit das Bewusstsein für die Verantwortung des Menschen für die Natur geschaffen.

 

Im Werkunterricht erfahren die Kinder den Wald als Rohstofflieferant, in dem z.B. aus einem Holzscheit ein Kochlöffel entsteht.

 

Im Gartenbauunterricht wird die Entwicklung unserer einheimischen Kräuter- und Gemüsesorten vom Samen bis zur Ernte erlebbar. Hierbei lernen die Schüler verschiedenste Anbaumethoden kennen.

 

Durch Tierhaltung (Schafe) können die Schüler Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernehmen.


4.1 Schafhaltungsprojekt der vierten Klassen

Allein schon durch die verschiedensten Sinneseindrücke werden die Menschen, die mit Tieren arbeiten, in ihrer Sinneswahrnehmung angeregt und geschult. Oftmals werden Eindrücke wie das Berühren des Fells, das Laufen auf der Wiese, auf Stroh oder gar Mist, das richtige (!) befüllen einer Mistkarre, das Arbeiten aus den Knien und nicht aus dem Rücken heraus, durchdachte Arbeitsabläufe, usw. als großes Aha-Erlebnis verzeichnet.

 

Beispiele: - Wenn ich die Schafe streicheln will und sie anlocke, kann eine unbedachte hektische Bewegung sie genauso schnell wieder vertrieben haben.

 

  • Ich gehe über die Wiese, um die Schafe in die andere Weidenhälfte zu treiben; nicht aufgepasst, und schon bin ich in frischen Schafdung getreten ...
  • Sind alle Geräte wirklich aufgeräumt, bevor ich gehe? Eine stehen gelassene Heu- oder Mistgabel könnte die Tiere verletzen

Rudolf Steiner führt in der „Allgemeinen Menschenkunde“ folgende Gruppen ein:

 

Die Willenssinne:

Tastsinn, Lebenssinn, Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn.

 

Die Gefühlssinne:

Geruchssinn, Geschmackssinn, Sehsinn, Wärmesinn.

 

Die Erkenntnissinne:

Ichsinn, Hörsinn, Sprachsinn, Gedankensinn.

 

(Rudolf Steiner: Allgemeine Menschenkunde, 8. Vortrag (29.8.1919), GA 293, Dornach (9.Auflage)1992, S.120ff)

 

Kommt der Mensch in direkten Kontakt mit den Tieren, speziell mit sogenannten „Nutztieren“ (Kuh, Schaf, Huhn, Schwein ...), ist oft Angst und Unsicherheit aus Unkenntnis des Wesens heraus, dem ich gegenüber stehe, zu beobachten. Das schafft Respekt und Vorsicht. Schafe sind durch ihr „Gefesselt-Sein“ an ihr Schafwesen, so, wie sie sind. Sie können sich nur schafmäßig verhalten.

 

Als Mensch kann ich das eine Schaf sympathischer finden als die anderen, aber letztlich bringt mich das keinen Schritt im Umgang mit ihm weiter. Die Schafe, oder besser gesagt alle Tiere, erziehen den Menschen dazu, auf sie so einzugehen, sie so zu behandeln, sie so zu halten, wie es ihrem Wesen gemäß ist. Der Mensch muss sich um dieses Verständnis bemühen – eine gute Vorübung für ein Verstehen-lernen-Müssen der anderen Individualitäten um jeder herum. Dabei ist zu beobachten, dass wir Menschen den Tieren meist sehr viel verständnisvoller gegenübertreten, als unseren Mitmenschen.

 

Die Verantwortung für das gesamte Projekt liegt bei dem Gartenbaulehrer und dem oder der jeweiligen Klassenlehrer der 4. Klasse mit den Viertklässlern.

 

Unser großes Außengelände an der Schule bietet sich geradezu für die Tierhaltung an, so dass der Entschluss feststand, Schafe zu halten. Im Schuljahr 2004/2005 konnte alsdann das Projekt begonnen werden.

 

Die Vorbereitungen zum Bau des Offenstalles erfolgten mit den Schülern der 8. Klasse im Werkunterricht. Mit Hilfe von Eltern wurde das Grundgerüst des Stalles dann aufgebaut und anschließend mit Schülern der 9. Klasse im Gartenbauunterricht verbrettert. Auch das Setzen der Zaunpfähle und das Anbringen des Knotengitters erfolgte mit den Schülern des 9. Schuljahres im Gartenbauunterricht.

 

Als schwierig und arbeitsaufwändig stellte sich heraus, den Zaun auch dicht zu bekommen, denn die kleine Schafherde war erfinderisch, immer wieder bewiesen sie ihre enorme Sprungkraft, so dass der Zaun höher gebaut werden musste. Anschließend suchten sich die Schafe Schlupflöcher unter dem Zaun hindurch, so dass dieser nun auch nach unten hin weiter abgedichtet werden musste - eine aufwändige Tätigkeit!

 

Tätigkeiten, die die Viertklässler regelmäßig zu erledigen haben: Bei besonderer Trockenheit oder in den Wintermonaten Wasser zu den Schafen bringen, im Winter Heu füttern, Schafstall mit Stroh ausstreuen, regelmäßig sauber halten und den Mist hinausschaffen.

 

Die Kinder lernen einen rücksichtsvollen Umgang mit den Tieren, sie lernen Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen.

 

Eigene Tierhaltung in der Schule fördert das Verantwortungsbewusstsein und erzieht zur Achtung vor dem Leben.

 

Die Kinder haben in der 4. Klasse die erste Epoche zu Tier- und Menschenkunde. Von den Kindern wird diese Epoche im Allgemeinen sehr geschätzt, denn von Tieren hören sie liebend gern, wissen oftmals auch sehr Interessantes beizutragen, so dass sich manch gutes gemeinsames Gespräch ergeben kann. Wenn sie dann noch den direkten Umgang mit Tieren pflegen können ist dies ein besonderer Gewinn und erhält noch eine neue Dimension, denn alle Kinder der 4. Klasse verfügen hier nun über gemeinsam gemachte Erfahrungen.

 

Da die Schafe nun schon ganz selbstverständlich zur Schule dazugehören und nicht immer erst ein extra Ausflug zum Bauernhof unternommen werden muss, sind sie bewusstseinsmäßig bei den Schülern präsent. Besonders die jüngeren Schüler besuchen die Schafe immer wieder in den Hofpausen oder sie erkundigen sich beim Gartenbaulehrer, wie es denn den Schafen so gehe.

 

Im Frühjahr können die Kinder miterleben, wenn Lämmer zur Welt kommen und sehen diese heranwachsen.

 

Wenn es wärmer wird, werden die Schafe geschoren. Mit einer elektrischen Schermaschine wird das Haarkleid fast in einem Stück von Bauch, Beinen und Rücken gelöst. Das tut nicht weh, sondern erlöst die Schafe bei Hitze von ihrem dicken Winterpelz.

 

Die Schüler freuen sich über die Wolle, die sie beim Spinnen, Färben und Filzen in unterschiedlichen Klassenstufen im Handarbeitsunterricht weiterverarbeiten werden.


4.2 Segelprojekt

In der 5. Klasse findet die Segelepoche am Sorpesee statt. Die Schüler erhalten Gelegenheit, das Segeln in Optimisten oder anderen Kleinbooten kennen zu lernen.  Dabei werden Praxis und Theorie sinnvoll miteinander verknüpft.

 

Um Teamgeist, Sozialkompetenz und körperliche Grenzerfahrungen zu leben und zu erleben, nehmen die Schüler außerdem an einer Mountainbike-Tour, an der Einführung ins Kanufahren mit anschließender Kanutour, und wahlweise an einer Inliner-Tour teil.

 

Die Epoche wird mit einer gemeinsamen Zeltnacht abgeschlossen.